Foto: VSU - Vereinigte Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein

Den Bodensee „erfährt“ man am besten mit der „Weißen Flotte“, die eine bunte Palette an Ausflugsmöglichkeiten und vielfältige bequeme Verkehrsverbindungen anbietet. Das Vergnügen auf dem mit 540 Quadratkilometern drittgrößten Binnengewässer in Mitteleuropa ist im wahrsten Wortsinn „grenzenlos”. Es spielt keine Rolle, ob ein deutsches, österreichisches oder schweizerisches Schiff das gewünschte Reiseziel ansteuert. Die Flotten aller drei Uferstaaten befinden sich unter der gemeinsamen Regie der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen von Bodensee und Rhein (VSU). Die Anzahl der Schiffe (derzeit 32) und das Liniennetz sind seit rund 120 Jahren weit umfangreicher als auf dem größeren Genfer See oder dem Plattensee.

Fahrpläne und Tourenvorschläge liegen zwar an jedem Hafenschalter, in den Reisebüros und auf den Schiffen aus, trotzdem soll diese Übersicht dem „Seefahrer“ angesichts der zahlreichen Möglichkeiten die „Qual der Wahl“ erleichtern.

Der Bodensee gliedert sich topographisch in drei Teile. Einmal in die weite Wasserfläche des Obersees, den lang gestreckten Überlinger See und in den lieblichen Untersee, der westlich der ersten deutschen Rheinbrücke in Konstanz beginnt. An ihn schließt sich die Stromstrecke bis nach Schaffhausen an, wo das Liniennetz der Bodenseeschifffahrt endet, denn der imposante Rheinfall bleibt für alle Schiffe unpassierbar.

Am bequemsten sind die meisten Ausflugsziele am See mit dem Schiff zu erreichen!

Die Erlebnisflotte der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) bietet Ihnen mit der Kursschifffahrt, Rund- und Ausflugsfahrten, Event-Fahrten und dem Charterbereich ein breit gefächertes Angebot...

Wer eine Tour vom österreichischen Bregenz bis nach Schaffhausen unternehmen möchte, legt dabei auf dem Wasser rund 120 Kilometer zurück und ist acht Stunden unterwegs. Eine Hin- und Rückfahrt mit dem Schiff ist in Anbetracht dieser Streckenlänge nicht mehr möglich. Die Rückfahrt ab Schaffhausen kann wahlweise auf der deutschen oder schweizerischen Uferseite mit der Bahn angetreten werden, wozu allerdings ein kleines Fahrplanstudium unumgänglich ist. Die Züge verkehren auf beiden Seiten im Stundentakt. Für eine solche Exkursion empfiehlt sich der Kauf einer Euregio-Tageskarte, denn die Bodensee-Erlebniskarte besitzt auf diesen Bahnlinien keine Gültigkeit.

Foto: Stadtwerke Konstanz – Fähre vor Alpenkulisse

Ein Hauch von Ozean umweht die Nase bei einer Fahrt auf dem Obersee zwischen Konstanz und Bregenz. Diese Tour sollte aber als Tagesausflug geplant werden. Dunst schwebt noch über der Seefläche, wenn in den größeren Häfen die ersten Schiffe auslaufen. Im Schein der Morgensonne leuchten die weithin sichtbaren Türme von Konstanz, Lindau, die Barockfassaden von Meersburg oder der zwischen 1929 und 1933 im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ erbaute und zum Zeppelinmuseum umgestaltete, ehemalige Hafenbahnhof von Friedrichshafen. Segelboote gleiten lautlos an unserem Schiff vorbei, weiter draußen tuckert eines der unermüdlichen Fischerboote. An Bord lassen wir uns anstecken von der gelösten und zwanglosen Atmosphäre. Mit jedem Kilometer, den das Schiff zurücklegt, verändern sich die Perspektiven, was den Entdeckerfreuden der ersten Seefahrer gleichkommt.

Mit allen gültigen Fahrausweisen lässt sich die Tour beliebig unterbrechen. Doch sollten auf dem Obersee angesichts der langen Fahrzeit Schwerpunkte gesetzt werden. Während der Hauptsaison können die vorarlbergische Landeshauptstadt Bregenz mit dem 1.064 Meter hohen Pfänder und die bayerische Inselstadt Lindau bei kluger Planung an einem Tag ohne zu großen Zeitdruck in den Ablauf eingebaut werden. An klaren Tagen bietet der Bregenzer Hausberg eine faszinierende Fernsicht von der Nagelfluhkette im Allgäu bis zu den Bergriesen der Zentralalpen. Zum Greifen nah erscheint dann die Alpsteingruppe mit dem 2.504 Meter hohen Säntis.

Vor dem Bug unseres Schiffes kommt soeben Friedrichshafen mit seiner doppeltürmigen Schlosskirche in Sicht. Hinter uns läuft, von Romanshorn kommend, das Fährschiff „Euregia“ in den Hafen ein. Hier lassen sich die Pläne auch problemlos ändern. Mit der Autofähre, die im Stundentakt ausläuft, erreichen wir bequem das Schweizer Ufer. Dort besteht nur wenige Gehminuten vom Hafen in Romanshorn ein direkter Anschluss an den „Voralpenexpress“ ins Appenzellerland nach Herisau und Urnäsch. Der Postbus führt hinauf zur Schwägalp und zur Talstation der Säntisbahn.

Foto: Niels von Eisenhart Rothe – Blick auf den Meersburger Hafen

Als Pforte zum Überlinger See bildet das Burgenstädtchen Meersburg den wichtigsten Knotenpunkt für die Schifffahrt. Hier kreuzen sich die Hauptrouten zwischen Konstanz, Bregenz und Überlingen. Von Meersburg oder dem benachbarten Unteruhldingen aus ist auch in kurzer Zeit die Insel Mainau zu erreichen. Für einen Besuch der Blumeninsel werden an allen Häfen und Schiffslandestellen ermäßigte „Kombi-Tickets“ mit Inseleintritt inclusive Hin- und Rückfahrt angeboten. Im Zick-Zack-Kurs fährt das Linienschiff von der Mainau über das Pfahlbaudorf Unteruhldingen mit seinem Pfahlbaumuseum und Dingelsdorf nach Überlingen. Obwohl seit 1974 Ortsteil von Konstanz, hat Dingelsdorf noch den ursprünglichen Charakter einer Gemeinde des Bodanrücks bewahrt, die einen Besuch lohnt.

In Überlingen haben alle Kursschiffe einen etwa zehnminütigen Aufenthalt, bevor sie zur Rückfahrt in Richtung Meersburg-Konstanz wieder ablegen. Die sehenswerte historische Altstadt mit ihrer gut erhaltenen Befestigungsanlage oder der Stadtgarten mit seiner einzigartigen Kakteensammlung sind hier allerdings einen Besuch wert. Von Überlingen aus verkehrt auch dreimal täglich ein Ausflugsboot über die spektakuläre Marienschlucht und Sipplingen nach Ludwigshafen und Bodman.

Genießen Sie den Bodensee auf unseren bewirtschafteten Schiffen!

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Die von Kreuzlingen und Konstanz in den Untersee fahrenden Schiffe fallen durch eine langgestreckte und sehr flache Bauweise auf, da sie sich mehrfach unter niedrigen Brücken „durchmogeln“ müssen. Aber auch sie verfügen über große Sonnendecks und gastliche Salons mit Bordrestaurant. Neben der beschaulichen Landschaft am Untersee und Hochrhein bieten gerade diese Brückenpassagen die nautische Attraktion einer See- und Stromfahrt. Bei höheren Wasserständen müssen die Steuerhaus-Oberteile und die Sonnensegel hydraulisch auf die ent­sprechende Durchfahrtshöhe abgesenkt werden.

Schon der Untersee macht mit seinen naheliegenden Ufern, der Insel Reichenau und seinen zahlreichen Schlössern einen idyllischen Eindruck. Das Finale bildet jedoch die Stromstrecke zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen. Hier windet sich der junge Rheinstrom noch durch eine weitgehend natürlich gebliebene Landschaft. Hoch über Stein am Rhein thront die Burg Hohenklingen und nur wenig später spannen sich eine imposante Autobahnbrücke und die von Ingenieur Eiffel konstruierte Eisenbahnbrücke der Strecke Etzwilen-Singen über den Fluss. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Bibermühle, der ehemalige Herrensitz der Edlen von Klingen mit seinem Staffelgiebel und die alte Holzbrücke von Diessenhofen. Letzte Station vor Schaffhausen ist die deutsche Exklave Büsingen. Hier windet sich der Rhein zunächst nach Südwesten, bis hinter einer weiten Flussbiegung die Stadt Schaffhausen mit ihrem steinernen Wächter, der nach Plänen von Albrecht Dürer entworfenen Festung Munot auftaucht. Nun hat das Schiff sein Fahrtziel erreicht und steuert in einem weiten Bogen die Landebrücke am „Freien Platz“ an, wo schon der Omnibus für die Besucher des ungefähr sechs Kilometer entfernten Rheinfalls bereit steht.

Foto: Touristinformation – Rheinfall Schaffhausen

Vor allem im Spätsommer und im Herbst bietet der See pittoreske und unvergessliche Abendstimmungen. Der untergehenden Sonne entgegen fährt das letzte, um 17.15 Uhr von Bregenz abgehende Schiff (in der Regel MS „München“) mit der nüchternen Bezeichnung Kurs 124 über alle Stationen bis nach Konstanz. Aber auch von Bord des letzten, um 18.15 Uhr von Konstanz auslaufenden Kursschiffes in den Überlinger See lassen sich diese Eindrücke in kürzerer Zeit erleben. Beide Schiffe erreichen kurz nach 21 Uhr den Konstanzer Trichter und werden vom Lichtermeer der eng zusammengebauten Städte Konstanz und Kreuzlingen empfangen. Für den passionierten „Kreuzfahrer“ bieten sich die von Lindau und Friedrichshafen ausgehenden Fahrten quer über den Obersee nach Arbon und Rorschach an. Diese Kurse sind meist auf die romantische Zahnradbahn zum Luftkurort Heiden abgestimmt, einer „Sonnenterrasse“ des Bodensees.

Hier folgt ein Tipp!

Diese textunterbrechenden Boxen sind für besondere Empfehlungen und Hinweise sowie für ausgesuchte, auf den Inhalt abgestimmte Anzeigen reserviert!

Das Ausflugs- und Veranstaltungsprogramm gilt bis auf wenige Aus­nahmen bei jeder Witterung. An drei Samstagen im Juli und im ­August startet von Friedrichshafen aus das längst zu einer Institution gewordene „Partyschiff“ mit wechselndem Programm, coolen Drinks und mehreren Live-Bands an Bord. Beschaulichkeit und romantische Abend­stimmungen versprechen die Dämmerschoppen-Fahrten ab Friedrichshafen und Lindau. Hier sitzt keiner „auf dem Trockenen“, denn die Bordgastronomie hält einen im Fahrpreis inbegriffenen Imbiss und ein Freigetränk nach Wahl bereit.

Am 1. August laufen von Konstanz, Friedrichshafen, Lindau und Radolfzell Sonderschiffe mit Tanz und Musik an Bord aus, um den Schweizer Nationalfeiertag mitzufeiern. Die zahlreichen Feuerwerke am südlichen Ufer erwecken den Eindruck einer Silvesternacht in den Tropen. Ein riesiges Feuerwerk ist auch der Höhepunkt des Konstanzer Seenachtsfests, das seit 1949 im August gefeiert wird. Dieses Spektakel kann von vielen Häfen und Landestellen mit einem der zahlreichen Tanz- oder Zuschauerschiffe hautnah beobachtet werden. Eine rechtzeitige Reservierung ist hier allerdings ratsam.

Foto: Uwe Hülshorst – Tanzschiff im Hafen von Meersburg

Auch nach dem offiziellen Saisonende erwacht die Schifffahrt im Dezember noch einmal zu besinnlichen Adventsfahrten mit dem Nikolaus. Am Jahresende laufen sämtliche großen Schiffe zur festlichen Silvester-Kreuzfahrt aus. Vor Friedrichshafen findet eine mitternächtliche Flottenparade mit Feuerwerk statt, bevor sich die Schiffe mit den besten Wünschen für das Neue Jahr verabschieden und wieder ihre Heimathäfen ansteuern.

Entspannung und Beschaulichkeit lassen sich – auch wenn’s in der Hochsaison mal eng werden kann – auf den Schiffen der „Weißen Flotte“ am besten genießen. Wenn der Wind um die Nase weht, die Möwen über den Köpfen kreischen und ihre Flugkünste demonstrieren, präsentiert sich die Ferienlandschaft des Bodensees von ihrer schönsten Seite und spätestens dann kann das Träumen beginnen. (kff / hpw)