Foto: Tourist-Information Reichenau - Kirche St. Peter und Paul

Zwischen Gnadensee und Untersee, direkt neben dem Wollmatinger Ried, liegt die Insel Reichenau. Jahrhunderte lang konnte man sie nur per Boot oder bei Niedrigwasser über eine Furt erreichen. Heute gibt es einen von Pappeln gesäumten Damm mit breitem Radweg, an dessen Ende man von einem steinernen Bischof begrüßt wird – dem Wanderprediger Pirmin. Er hat die Insel urbar gemacht und dort eine Benediktinerabtei gegründet.

Die Insel ist 430 Hektar groß, relativ flach und mit ihren langen Uferwegen, ihrem Strandbad und Yachthafen schon lange ein beliebtes Ferienziel für Familien. Seit Jahrhunderten leben Fischer auf der Insel und fangen Hecht, Felchen oder Barsch. In den Gewächshäusern und auf den Feldern wachsen Gurken, Salat und Tomaten, Auberginen, Sellerie und Kohl in allen Varianten und an manch einem Bauernhaus ranken sogar Kiwis.

Doch die Reichenau ist nicht nur eine Gemüseinsel, denn seit die UNESCO-Kommission die Insel 2001 aufgrund ihrer Vergangenheit als kulturelle, politische, künstlerische und geistliche Keimzelle Mitteleuropas mit dem Titel „Weltkulturerbestätte“ geadelt hat, wird die Reichenau zunehmend wieder als das wahrgenommen, was sie Jahrhunderte lang gewesen ist: eine Klosterinsel.

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Der Wanderprediger und Klostergründer Pirmin gehört nicht zu den ersten Inselbewohnern. Bei Grabungen in der Nähe des Klosterbezirks hat man Zeugnisse aus der sogenannten Urnenfelderzeit gefunden, ­außerdem gibt es in der Nähe von Reichenau-Oberzell Pfahlbaureste im Wasser.

Gleich hier in Oberzell findet man St. Georg, die erste Sehenswürdigkeit: St. Georg ist neben St. Peter und Paul in Niederzell sowie dem Marienmünster in Mittelzell eine der drei romanischen Kirchen auf der Insel und wurde Ende des 9. Jahrhunderts in der Nähe des Gnadenseeufers erbaut. Die weltberühmten Wandmalereien in der Kirche, die von 1982 bis 1990 für 1,9 Millionen DM restauriert wurden, zeigen auf acht ­großen Bildern Szenen aus dem Leben Christi.

Das von Pirmin 724 n.Chr. gegründete Kloster wird zwischen 800 und 1100 n.Chr. aufgrund seiner Schule und seiner Bibliothek zu einem politischen, geistigen und kulturellen Zentrum des heiligen römischen Reiches, denn seine Äbte und Mönche arbeiten auch im diplomatischen Dienst des Kaisers und beeinflussen die europäische Kulturpolitik. Sie unterrichten den kaiserlichen Nachwuchs, sind Gesandte und Berater, wie beispielsweise Walahfrid Strabo – Walahfrid der Schielende. Die Macht und der Ruhm des Klosters nehmen zu, es zieht Schüler aus dem gesamten Abendland an. Ein berühmter Lehrer ist auch Hermann der Lahme, Hermanus Contractus genannt. Der körperbehinderte Universalgelehrte hat sich mit Mechanik, Astronomie, Geschichte, Musik und Dichtungen beschäftigt. Ab 1100 n.Chr. beginnt der Niedergang des Klosters. Zur Zeit des Konstanzer Konzils 1414-1418 leben dort gerade noch zwei Mönche, die von den Konzilsgästen – den ersten Touristen auf der Insel – besucht und deren Bücher und Kunstwerke regelrecht ausverkauft werden. 1799 wird das Kloster endgültig aufgelöst.

Seit September 2001 gibt es wieder klösterliches Leben auf der Insel in einer neuen Benediktiner-Cella. Beim täglichen ora et labora in der Eginokapelle in Niederzell helfen den Mönchen neben Gästen zeitweise auch Benediktiner und Benediktinerinnen aus anderen Klöstern.

Insgesamt leben heute etwa 3.500 Menschen auf der Reichenau. Interessierte können sich in einem der ältesten Fachwerkhäuser Süddeutschlands, dem Museum Reichenau in Mittelzell, über Fischerei, Weinanbau und Inselbrauchtum informieren.

Wichtigster Wirtschaftsfaktor ist der Gemüseanbau, der zunehmend unter Glas stattfindet, da die Insulaner mit ihren kleinflächigen Feldern weitgehend auf Handarbeit angewiesen sind und sonst nicht mit den großen Anbaugebieten mithalten können. Zusammen produzieren die rund 150 Gemüsegärtner 17.000 Tonnen Gemüse, der Umsatz beträgt rund 12 Millionen Euro. Gemüse und Kräuter sind seit dem frühen Mittelalter untrennbar mit der Reichenau verbunden durch das Kräuterbüchlein „Hortulus“ des Mönchs Walahfrid Strabo. Sein Büchlein wird auch heute, über 1.100 Jahre später, noch gedruckt und gelesen.

Den berühmten Klostergarten kann man in Mittelzell besuchen. Die Pflanzen sind mit kleinen Schildern ausgestattet, damit die Gäste sich informieren können.

Hier folgt ein Tipp!

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Reichenauer Wein wird beim Winzerverein gekeltert, der 1896 von Pfarrverweser Meinrad Meyer zusammen mit 64 Rebleuten gegründet worden ist. Der Zusammenschluss führt Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem starken Anstieg der Rebflächen auf rund 130 Hektar, also ist fast ein Drittel der gesamten Insel mit Weinreben bedeckt. Doch dann wird der Ertrag durch Schädlinge, Krankheiten oder frostige Winter immer geringer, die Rebflächen in Gemüsefelder umgewandelt und schrumpfen auf rund 5 Hektar. 1940 werden nur noch 340 Liter Wein pro Jahr gekeltert. Heute erwirtschaften die achtzig Winzer rund 150.000 Liter Wein pro Jahr. Der Wein passt hervorragend zu Felchenfilet und Reichenauer Gemüse, verkostet in einem der gemütlichen Inselrestaurants... (so)