Foto: H. Walter – Fahrradtransport im »Seehäsele« (Friedrichshafen – Radolfzell)

Beim Radfahren ist es wie beim Essen, es gibt Gourmands und Gourmets. Die einen verschlingen alles – hier die Speisen, dort die Kilometer –, die anderen setzen auf Genuss. Um Landschaft und Kultur noch intensiver erleben zu können, bietet es sich in manchen Situationen geradezu an, nicht nur stur im Sattel sitzen zu bleiben, sondern auch die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen: allen voran am See natürlich die Schiffe, aber auch die Busse und Bahnen, die in allen drei Ländern über attraktive Angebote verfügen. So lässt sich durch Abkürzungen Zeit sparen, bei Anstiegen mit der Kraft besser haushalten oder eine geplante Tour um einen Abstecher in die Umgebung erweitern.

Ganz im Geist der Radler, die die umweltfreundliche Mobilität schätzen, sind die Solarfähren auf dem Untersee (www.solarfaehre.de), und dabei nehmen sie auch gerne Fahrräder mit, solange noch Platz ist.

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Auf den Kursschiffen der internationalen Weißen Flotte, wo das Intermezzo auf dem Wasser zu einer echten Erholungspause werden kann, hat es dagegen meist ausreichend Platz. Die Vorteile einer Tour mit Rad und Schiff erkennen immer mehr Besucher. Die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen (VSU) befördern jährlich etwa 4 Millionen Fahrgäste und 200.000 Fahrräder. Und bei der Bodensee-Erlebniskarte ist in der "Seebären"-Version neben dem Eintritt in viele kulturelle Highlights auch die Schifffahrt inklusive – lediglich das Bike kostet extra. Doch gibt es für das Fahrrad auch eine Tageskarte und in Verbindung mit einer Saison Card eine Jahreskarte. Am Obersee ermöglicht die Fähre Friedrichshafen-Romanshorn den Radfahrern die kompakteste, aber gleichwohl erlebnisreiche Variante einer kompletten Drei-Länder-Tour. Einen anderen idealen Transfer bieten die Stadtwerke Konstanz mit ihren Fähren zwischen Meersburg und Konstanz. Damit lässt sich der Kreis bei einer kleinen Tour um den Überlinger See elegant schließen. Während Autofahrer hier in der Hochsaison auf beiden Seiten des Sees bisweilen in der Warteschlange stehen, haben Radler Vorfahrt und die Nase vorn. Für eine weitere nützliche Querverbindung sorgt der Schiffsbetrieb Ewald Giess zwischen Wallhausen und Überlingen. Radtouren lassen sich so ganz flexibel und individuell gestalten.

Bahnen und Busse

Vorteilhaft für Radfahrer sind auch die Verkehrsverbünde rund um den See, mit attraktiven Tageskarten für Einzelreisende und Gruppen sowie der Möglichkeit, gegen Aufpreis Fahrräder auf der Schiene oder auch in den Bussen zu transportieren – sofern der Betrieb und der Platzbedarf dies zulassen. Dies gilt in der Schweizer Seeregion mit dem Verbund „Ostwind” ebenso wie in Vorarlberg, das Kombitickets bis nach Liechtenstein („Maximo”) anbietet. Im Zusammenschluss des Bodenseekreises und des Kreises Ravensburg erschließt der Bodo-Verbund vom See aus auch die Reize des nahen Umlands bis ins Allgäu. Für den Fahrradtransport gibt es hier günstige Tickets und ab Frühjahr 2017 ist die Radmitnahme auf allen Zugstrecken von Montag bis Freitag vor 6 Uhr und nach 9 Uhr kostenfrei, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen sogar ganztägig. Wer größere Strecken zurücklegt und die Grenzen der Verkehrsverbünde überschreitet, für den bietet sich die länderübergreifende Euregio-Karte an, die man je nach Bedarf nach Zonen wählen kann.

An Samstagen und Sonntagen gibt es im Bodenseekreis mehrere spezielle Freizeit-Buslinien mit kostenloser Fahrradbeförderung. Von Überlingen und Oberuhldingen führen sie nach Heiligenberg auf die Höhen des Linzgaus sowie von der Montfortstadt Tettnang nach Wangen ins Allgäu. Wegen des auf sechs Räder begrenzten Platzangebots sind Reservierungen allerdings erwünscht (Hinweise in den aktuellen Fahrplänen). Mit der Bahn ist der Fahrradtransport auch von Lindau ins Allgäu kostenlos – täglich nach Wangen oder Oberstaufen und darüber hinaus.

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Parallel zum 2004 geschaffenen „Seehäsle”-Radweg zwischen Stockach und Radolfzell kann das Fahrrad auch auf der „Seehas”-Bahnlinie befördert werden – ebenso zwischen Konstanz und Engen.

Mit Aufstiegshilfe auf die Höhe

Klar, es gibt sie die Radler, denen die Pässe der Tour de France nur Ansporn zur eigenen Leistung sind. Aber warum nicht bequem auf die Höhen rund um den Bodensee gelangen und dort die Aussichten genießen? Die Pfänderbahn in Bregenz transportiert Fahrräder während der gesamten Betriebszeit und von 8 bis 10 Uhr sogar gratis. Nach dem komfortablen Anstieg und dem Genuss des eindrucksvollen Panoramas lässt sich von hier aus eine Tour in Höhenlage in Angriff nehmen.

Offen steht den Radfahrern am Schweizer Ufer auch die Rorschach-Heiden-Bergbahn (RHB), die dafür in der Saison einen speziellen Zusatzwagen mit sich führt. Die Zahnradbahn überwindet vom SBB-Bahnhof Rorschach (400 m.ü.M.) die Höhendifferenz zum schmucken Biedermeierdorf Heiden (800 m.ü.M) mit seinem schönen Ausblick über den See. Dies kann zugleich Ausgangspunkt für einen Abstecher ins Appenzeller Land sein.

Tagesplanung einmal anders

Bei der Tagesplanung antizyklisch vorzugehen kann Wunder wirken – beim Radfahren selbst, noch mehr allerdings bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Wer einen Teil seiner Strecke mit Bus, Bahn oder auch Schiff zurücklegen will, der strampelt meist am Morgen energiegeladen los. Erst wenn die Kräfte schwinden, die Muskeln zwicken oder die Zeit zur Neige zu gehen droht, wächst der Wunsch, für Weiterfahrt oder Rückweg die mobile Hilfe von Bahn oder Bus in Anspruch zu nehmen. Weil andere die gleiche Idee haben, wird es am Wochenende auch mal eng. Wer vorausschauend plant, kann sich das Gedränge ersparen. Die eingeplante Bus- oder Bahnstrecke gleich zu Beginn zurückzulegen und dann die Radtour bis zum Ende zu genießen, kann bisweilen die bessere Strategie sein.