Foto: Peter Kuhnle – Klosterkirche Birnau

Weithin grüßt der 51 Meter hohe schlanke Turm der Wallfahrtskirche Birnau über die Weinberge. Die bedeutendste Barockkirche am See ist ein vollendetes Werk aus einem Guss, 1746 – 1750 erbaut von dem Vorarlberger Peter Thumb.

Der Kirchenraum dieser „spätesten und schönsten Perle des Barocks am Bodensee“ ist erfüllt von jubelnder Festlichkeit, von Licht und Farben. Der Blick gleitet am fünfjochigen Langhaus entlang zum filigranen Emporenumgang auf halber Höhe, hinauf zum zweiten Fenstergeschoss und zu den prächtigen Deckenfresken. Wie von selbst findet das Auge den Mittelpunkt, das gütig lächelnde Gnaden­bild am Hochaltar, eine geschnitzte sitzende Muttergottes mit Kind (um 1420). Wie alle Zisterzienserkirchen ist die Birnau der Gottesmutter Maria geweiht.

In den lichterfüllten Querhausmulden stehen die beiden Seitenaltäre: rechts der Erasmusaltar, links der Josephsaltar. Die Altarfiguren stammen wie die übrige plastische Ausstattung von dem Wessobrunner Bildhauer Jo­seph Anton Feuchtmayer, an dessen Arbeit in Salem-Mimmenhausen ein kleines Museum erinnert. Vor der Chorschranke steht links der Altar des heiligen Benedikt, rechts der Altar des heiligen Bernhard von Clairvaux mit dem köstlich ungenierten „Honigschlecker“, einem anmutigen Putto aus elfen­beinweißem Stuck. Mit dem rechten Arm presst er einen Bienenkorb fest an sich, den linken Zeigefinger führt er genieße­risch an die Lippen. Er symbolisiert die Beredsamkeit des heiligen Bernhard, die diesem den Beinamen „doctor mellifluus“, „honigfließender Lehrer“, einbrachte. Auch die vergoldeten Bienen am Korb sind allegorisch gemeint: Früher glaubte man, dass die Bienen aus sich selbst entstehen, und setzte sie daher in Beziehung zur Jungfräulichkeit Mariens.

Über der Kanzel halten zwei Putti das Buch mit den sieben Siegeln und das Opferlamm sowie Kreuz und Kelch empor – Sinnbilder der christlichen Religion. Der Kanzelkörper aus Stuckmarmor zeigt am unteren Rand die Symbole der Evangelisten, vergoldete Holzreliefs stellen Johannes den Täufer, Petrus und Paulus beim Predigen dar.

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Die inhaltlich aufeinander abgestimmten Deckenfresken mit ihrer faszinierenden klaren Farbigkeit schuf Gottfried Bernhard Göz. Im Altarraum beugt sich Esther vor König Ahasver und bittet für ihr Volk. Als biblische Entsprechung im Neuen Testament folgt Maria als Fürbitterin vor Christus, als triumphierende Himmelskönigin. Als Bauherren der Kirche sind die Äbte Stephan II. und Anselm II. mit im Bild. Im Gewölbe über der Orgelempore spielt ein ju­belndes Engelsorchester. Etwas Besonderes sind auch die zehn Uhren der Birnau: vier Turmuhren, drei Sonnenuhren am Priesterhaus und drei Uhren in der Kirche. (hv)