Tour-Info
Route: 
Bahnhof Reichenau, Oberzell, Mittelzell, Niederzell
Tourlänge: 
15 km
Ausgangspunkt: 
Bahnhof Reichenau, Parkplätze dort
Tourcharakteristik: 
Diese Spazierfahrt bis ans Ende der Insel Reichenau, die kulturell wie auch landschaftlich soviel bietet, dass es mindestens eine Halbtagestour ist; sie lässt sich durch die Schiffsverbindungen nach Allensbach und Ermatingen auch mit anderen Touren kombinieren; fast keine Steigungen, überwiegend auf Radwegen und kleinen Landstraßen.
Tourklassifizierung
Schwierigkeit: 
1
Kindertauglichkeit: 
5
Attraktionen: 
5
Landschaft: 
4

Die Insel Reichenau im östlichen Teil des Untersees ist in einem doppelten Sinn der Inbegriff einer Kulturlandschaft: Durch ihre sehr intensiven Gemüsekulturen gilt die fast fünf Kilometer lange Insel als „Deutschlands Frühbeet“, und mit den drei bedeutenden romanischen Kirchen hat sie mehr Bauwerke aus dieser Zeit als manche Großstadt.

Die Kirchen sind auch so von Gemüsefeldern umgeben, dass die Kombination zum beliebten Fotomotiv wurde. Der Zusammenhang zwischen Kirchen und Gemüseanbau ist fast so alt wie die Besiedlung der Insel, denn schon um 840 schrieb der Abt Walahfried Strabo das Lehrgedicht „Hortulus“ über den Gartenbau. Zu dieser Zeit war die Klosterinsel eines der intellektuellen Zentren des Abendlandes und beherbergte im 9. Jahrhundert dessen größte Bibliothek. Erst im späten Mittelalter setzte der Niedergang dieser Klöster ein, was auch bewirkt hat, dass die romanischen Bauten so ursprünglich erhalten sind und nicht später durch barocke ersetzt wurden.

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Wir fahren vom Bahnhof Reichenau zu der großen Kreuzung mit der B 33 bei der Kindlebildkapelle, wo in früheren Zeiten die ungetauft verstorbenen Kinder begraben werden mussten. Hier beginnt der 1838 aufgeschüttete Damm mit der von weitem sichtbaren alten Pappelallee und dem Radweg, der nach dem „Jahrhundert-Hochwasser“ vom Sommer 1999 um 30 cm erhöht wurde. Dadurch bleibt die Insel bei einem so extremen Wasserstand wenigstens einspurig für den motorisierten Verkehr erreichbar. Und zu beiden Seiten ist jetzt mehr von den weiten Flächen des Wollmatinger Rieds zu sehen, über die man von der Beo­bachtungsplattform bei der Ruine Schopflen einen noch besseren Überblick hat. Die zum Schutz der Insel gebaute, aber schon 1336 zerstörte Wasserburg zeigt, dass es hier auch im Mittelalter schon einen Zugang zur Reichenau gab, der aber nur bei niedrigem Wasserstand mit Pferden passierbar war. Am Bruckgraben begrüßt den Besucher eine überlebensgroße Figur des heiligen Pirmin, der 724 das Kloster gegründet hat und sein erster Abt war.

Die Insel ist von einem dichten Netz von Fahr- und Wirtschaftswegen überzogen, die alle gut mit dem Fahrrad befahren werden können. Nah am Ufer ist ein Fahrrad-Rundweg markiert, der Wanderweg verläuft stellenweise noch näher, aber die vielen Seeufergrundstücke erlauben es nicht, überall am See entlangzufahren. Bei der Kirche von Oberzell biegen wir rechts ab zum See, in den hier auch ein kleiner Bootssteg (Bademöglichkeit) führt.

Die ehemalige Stiftskirche St. Georg ist äußerlich recht unscheinbar, aber sie beherbergt die bedeutendsten Wandmalereien der Insel und der ganzen Region. Fast die ganze Kirche wurde um 980 mit Szenen aus dem Neuen Testament ausgemalt, die dem Stil der ottonischen Buchmalerei entsprechen und durch ihre Größe und den Erhaltungszustand zu den wichtigsten Werken der ottonischen Kunst zählen.

Auf der Seestraße fahren wir mit Blick über den Gnadensee hinweg auf den Bodanrück und kommen bald am Laden eines der Reichenauer Berufsfischer vorbei. Nach vielen blumengeschmückten Häusern sehen wir das Münster von Mittelzell, das wir von hinten und sozusagen durch den Küchengarten erreichen. Auf der Höhe des Segelboothafens ist nämlich nach dem Vorbild des „Hortulus“ ein historischer Kräutergarten angelegt.

Das Münster St. Maria und Markus stammt in seiner heutigen Form etwa aus dem 11. Jahrhundert, der Chor wurde in spätgotischer Zeit angefügt. Das auffälligste Element ist der nach unten offene Dachstuhl (13. Jh.), der an ein umgekehrtes Schiff erinnert. In der Schatzkammer werden wertvolle Stücke aus dem Mittelalter und sogar aus spätantiker Zeit gezeigt.

Oberhalb des Münsters ist das Zentrum der Reichenau mit dem dreieckigen Dorfplatz, an dessen Südseite in einem alten Fachwerkhaus das Museum zum Thema „Leben und Arbeiten auf der Reichenau“ untergebracht ist. An der Stelle der früheren Kaiserpfalz steht heute die etwas monumentale Sparkasse. Am Strandbad vorbei gelangen wir nach Niederzell, dem kleinen Ortsteil am nordwestlichen Ende der Insel, der durch die beiden Türme der Kirche von weitem zu sehen ist.

Die Stiftskirche St. Peter und Paul (12. Jh.) ist die einzige der drei Kirchen, die in der Barockzeit noch verändert wurde. Bei der Restaurierung in den 70er Jahren wurden auch schöne Fresken im Chor freigelegt.

Die Route für den Rückweg sollte man öfters durch Abstecher an den See unterbrechen, da sie im Gegensatz zum Wanderweg an keiner Stelle direkt am Ufer entlang verläuft. Wohl der schönste Platz ist die Spitze nördlich des Campingplatzes an der Westseite der Insel, vor allem die Abendstimmung mit Blick auf die Höri ist ein „Muss“ für Romantiker. Die nächste Station ist die Schiffsanlegestelle, von der aus sich ein wunderbarer Blick nach Süden auf das Schweizer Ufer mit seinen Schlössern bietet.

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Der weitere Radweg an der Südseite der Insel zurück nach Oberzell verläuft zwischen 100 und 300 Metern vom Ufer entfernt auf einer Straße mit lockerer Bebauung. Um mehr von der Landschaft und vom See zu sehen, bietet sich deshalb nach dem Schloss Königsegg die Variante über die Hochwart (440 m) an, von der wir einen Rundblick über die Reichenau und den ganzen Untersee haben, mit den beiden Münstertürmen von Konstanz und Radolfzell als Endpunkte. In dem turmartigen Häuschen auf diesem höchsten Punkt der Insel ist ein Keramikatelier, an seinem Südhang erinnert ein Weinlehrpfad daran, dass bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts etwa ein Drittel der Insel von Weinbergen bedeckt war. Bei der Abfahrt von dem Hügel nach Oberzell haben wir noch einen schönen Blick über das Ried und den Gnadensee hinweg auf die Drumlin-Landschaft des Bodanrücks. Über den Damm gelangen wir zurück zum Festland.